Die Kunst ist, einmal mehr aufzustehen als man umgeworfen wird.

frei nach Winston Churchill

aka Ein Potpourri meiner Fails

Hach ja, in der schönen bunten Social Media Welt sieht es doch immer so wunderbar leicht aus. Kleiner Aufwand, großer Output. Erfolg über Nacht.

Aber wenn man mal hinter den Vorhang und unter die Teppiche schaut, sieht es bei den meisten ganz anders aus. Klar klingt das aalglatte Märchen, der vom Ruhm geküssten Prinzessin toll. Spannender ist aber doch die Geschichte mit Höhen und Tiefen, Abbiegungen, Windungen, Cliffhangern, Stürzen und Aufstiegen. Wieso erzählen wir die nur so selten? Hab ich mich in den letzten Tagen gefragt. Besonders weil wir doch so so viel voneinander lernen können.

Nicht lang schnacken, dachte ich weiter, und hab mich direkt mal dran gesetzt meine Fails zusammenzutragen. Wobei ich vieles davon mit ein wenig Distanz gar nicht als Fehler oder Reinfall ansehe. Aber dazu später mehr 😉

Wenn du das hier liest, kennst du mich wahrscheinlich schon ein bisschen. Ich würde mich niemals als Coach bezeichnen. Warum? Weil ich keine Coaching Ausbildung habe. Punkt. Ich nenne mich ja auch nicht Bäcker oder Schneider oder Koch. Ich bin Expertin für Zeitmanagement. Unterstütze Selbständige dabei ihr individuelle Struktur aufzubauen, damit sie mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge haben und ihr Leben selbstbestimmt führen können. Und im Grunde könnte ich diesen Untertitel auch 1:1 auf mein zweites Standbein übertragen. Als Wedding Day Managerin unterstütze ich Brautpaare dabei ihre Hochzeit in vollen Zügen zu genießen, Zeit für die wirklich wichtigen Dinge an diesem besonderen Tag zu haben und ihn selbstbestimmt zu verbringen. Aber bis hierhin war es ein weiter Weg.

Selbständig wollte ich schon immer sein. Ich wollte einfach immer mein eigenes Ding machen. Und wenn zu diesem Wunsch das Unternehmergen und eine Scannerpersönlichkeit kommt, sieht man einfach immer und überall Chancen und Möglichkeiten. Fluch und Segen zu gleich. Denn die Optionen sind schier unendlich.

Wo fangen wir also an?

Vielleicht bei 1921, nicht dem Jahr, keine Sorge 😉 Aber so hatten Moritz und ich unser gemeinsames Business Baby getauft. Denn Moritz ist ein unglaublich begabter Lampenbauer. Jap. Kaum eine Lampe in unserer Wohnung ist von der Stange. Fast alle hat Moritz gestaltet. Schnell wurde sein Talent auch im Freundes- und Bekanntenkreis bekannt und noch schneller lag die Idee nahe, die Lampen auch gewerblich zu verkaufen. Wir hatten schon die ersten Gespräche für die Gestaltung des Onlineshops, denn es sollte möglich sein die Lampen individuell über ein Baukastensystem zu konfigurieren. Haben direkt mal nen Koffer Lampen mit nach Mallorca genommen und die ersten Fotos gemacht. Da wurde uns klar, dass es gar nicht so einfach ist Lampen zu verkaufen. Einfach mal ne schöne Lampe bauen ist nicht. Da müssen Qualitätstests her und Gütesiegel. Alles mit viel Aufwand und Kosten verbunden. Macht unterm Strich durchaus Sinn, weil man ja nicht die Bude seiner Kunden abfackeln will. Aber war ein ziemlicher Dämpfer. Und nach ner gründlichen Prüfung war dann auch klar, dass es das Lampen Business wohl nicht sein wird.

Parallel hatte ich aber auch schon an einer anderen Idee gefeilt. Während meiner Anstellung als Veranstaltungsleiterin habe ich immer wieder gemerkt wie lost viele Mittelständler bei der Organisation ihrer Veranstaltungen und Messestände sind. Meist wird irgendein:e Mitarbeiter:in dafür abgestellt, der/die das Projekt parallel zur regulären Arbeit und meist ohne entsprechende Erfahrung wuppen soll. Eine Event Agentur ist den meisten zu teuer, aber Hilfe wäre bitter nötig. So entstand die Idee genau dieser Zielgruppe in der letzten Planungsphase und besonders bei der Umsetzung des Events zu helfen. Vielleicht fällt dir die Parallel zum Wedding Day Management auf 😉 und wenn ich es so schreibe, finde ich die Idee immer noch gut. Aber nach vielen, vielen Kaltakquise Mails, Anrufen und Aktionen (hab ich erwähnt wie abgrundtief ich Kaltakquise hasse?!) wurde mir klar, dass ich nicht im richtigen Zeitpunkt an die Zielgruppe ran kam oder zumindest nicht auf einem für mich erträglichen Weg. Und irgendwann wurde mir auch klar, dass es auch gar nicht die Zielgruppe ist, mit der ich zusammenarbeiten möchte.

Aber es schlummerte bereits die nächste Idee in mir. Als gelernte Hotelfachfrau, mit diversen Jahren Gastro- und Eventerfahrung läuft es mir nämlich bei fast jedem Restaurant oder Café Besuch kalt den Rücken runter. Guter Service ist so einfach. But it’s so hard to find. So oft sind die Arbeitsabläufe nicht durchdacht, das Personal nicht geschult und mit einem offenen Blick oder der Frage „Magst du noch ein Glas Wein?“ könnte man nicht nur den Umsatz steigern, sondern auch die Kundenzufriedenheit. Also wollte ich Gastroschulungen anbieten. Hab Branchenzahlen ausgewertet, nen Businessplan geschrieben, Präsentationen vorbereitet und es dann am Ende doch nie umgesetzt. In erster Linie, weil ich mich auf das Projekt mit den Events konzentrieren wollte, aber auch weil immer wieder das Feedback kam, dass dafür kein Gastronom Geld ausgibt.

Dafür habe ich mich direkt selbst in einem Gastroprojekt engagiert. Ein Street Food Startup mit Sizilianischen Spezialitäten die hier kaum jemand kennt. Super lecker, aber sehr erklärungsbedürftig, oder kennst du Arancini? Zusammen mit drei Jungs, die ebenfalls alle aus dem Gastrobereich kamen, sollte es also erstmal ein Laden in München werden und dann zur großen Expansion kommen. Franchise. Lizenznehmer. Big Business. Das es dazu nicht gekommen ist, muss ich wahrscheinlich nicht weiter ausführen, sonst wäre es nicht Teil dieses Blogbeitrags 😉

Dafür fällt mir an dieser Stelle ein, dass das Thema Zeitmanagement schon vor viel längerer Zeit bei mir auf dem Tisch lag. Denn schon ziemlich früh war klar, dass ich hier anders ticke als andere und viel zu geben habe. Leider habe ich damals nur mit den falschen Leuten darüber gesprochen. Denn das Feedback war ernüchternd: Von „Kann man doch auch googeln“ Bis „Dafür zahlt doch keiner Geld“ war alles dabei und ich hab mich davon entmutigen und zu diversen anderen, genannten und ungenannten Projekten hinreisen lassen.

Puh, wenn ich so darüber nachdenke, wird mir ganz schwindelig.

Denn ich hab in jedes dieser Projekte so viel Zeit und Energie gesteckt. Und klar könnte ich mich jetzt ärgern. Denn gerade als Zeitmanagement Expertin ist mir mehr als bewusst, dass ich mit der Zeit auch so viel anderes hätte machen können. Aber zum einen denke ich mir: Hätte hätte Fahrradkette. Es bringt eh nix, sich im Nachhinein darüber zu ärgern. Und zum anderen habe ich dabei auch so viel gelernt.

z.B. dass die Zielgruppe eine so wichtige Rolle spielt. Die Idee kann noch so gut sein, wenn die Zielgruppe nicht die Zielgruppe ist, mit der ich arbeiten will bringt es überhaupt nichts. Andererseits kann das Produkt so toll sein, wie es mag, wenn es an den Wünschen der Zielgruppe vorbei geht, ist auch das für die Katz.

Ein weiters Learning: dass ich auf meinen Bauch hören kann und es auch sollte. Wenn es sich nicht gut anfühlt – also ich spreche nicht von dem Gefühl, wenn man die Comfort Zone verlässt oder dem Wachstumsschmerz – ne ich mein, wenn es sich falsch anfühlt, dann ist es das wahrscheinlich auch.

Genauso wenn es sich so richtig schwer anfühlt (hello Kaltakquise), dann ist das nicht mein Weg und dass ist auch ok so.

Die Wahl meiner Gesprächspartner:innen bzgl Businessthemen wurde auch wesentlich differenzierter und ich bin so glücklich von inspirierenden Frauen umgeben zu sein, die mit einem ganz anderen Blick und einem ganz anderen Background auf meine Ideen schauen als Tante Trude.

Ich habe auch gelernt, dass ich immer die Finanzen eines Projekts selbst im Blick haben möchte, egal wie groß es ist, egal ob dafür jemand anderes zuständig ist. Und dass es nicht immer direkt die fancy popancy edel Ausstattung sein muss, sondern gerade am Start auch mit Basics großartig läuft.

Apropos Finanzen. Hier hat sich für mich herausgestellt, dass ich ziemlich ungern Geld in meinem Business ausgebe, es dafür aber um so lieber investiere. Am allerliebsten in Weiterbildung und mich selbst.

Mir wurde auch klar, dass man nicht für alles einen Schein braucht oder ein Zertifikat. Und dass Erfahrung ein Zeugnis oft schlägt. Aber dass es bei manchen Dingen ohne Zertifikat und Gütesiegel nicht weiter geht.

Long story short

Alles, jedes Projekt, jedes Hinfallen, jeder Rückschlag war für etwas gut. Ich hab auf dem Weg ultra viel gelernt. Dinge, die ich nie gelernt hätte, wenn es aalglatt und geradeaus gegangen wäre. Und wenn es so gelaufen wäre, würde ich heute nicht meine Herzensprojekte verfolgen, sondern würde Mittelständler unterstützen oder Gastronomen beraten, oder Lampen verkaufen, oder Reisbällchen…