Portfolio-Business aufbauen: Wie Selbständige mit mehreren Standbeinen arbeiten

Und was machst du so beruflich?

Morgens Projektmanagement, mittags ein Mentoring-Call, abends ein Kapitel für das nächste Kinderbuch: Wenn ich erkläre, was ich beruflich mache, reicht ein Satz selten aus. Und so geht es wahrscheinlich den meisten Selbständigen mit einem Portfolio Business.

Als ich mich vor gut zehn Jahren selbständig gemacht habe, bin ich direkt mit mehreren Standbeinen gestartet: Projekt- und Eventmanagement für KMU, Wedding Day Management sowie Workshops und Trainings für Gastro-Teams. Für meinen Gründerberater war es eine echte Herausforderung, da durchzublicken und ich weiß nicht mehr, wie viele Grafiken wir erstellt haben, damit klar wurde, was ich da vorhatte (inkl. der mehrfachen Nachfrage seinerseits, ob ich mich nicht vielleicht, möglicherweise, eventuell doch auf eine Sache konzentrieren könnte? Äh, nein!)

Auch wenn es für mich absolut undenkbar war, nur mit einer Sache zu starten, hat mich damals ein anderes Gefühl begleitet: Mein „Bauchladen“ könnte weniger professionell wirken als eine klare Ein-Thema-Selbständigkeit. Gleichzeitig hat es sich genau richtig angefühlt, nämlich nach mir.

Was ist ein Portfolio-Business?

Ein Portfolio-Business besteht aus mehreren Standbeinen, die zusammen ein Einkommen und ein Leben tragen. Statt alles auf ein Angebot zu setzen, baust du mehrere Bereiche auf, die unterschiedlich viel Energie brauchen und unterschiedlich viel zurückgeben.

Den Begriff kannte ich damals noch nicht. Ich habe das Modell gelebt, bevor ich einen Namen dafür hatte. Aber wie so oft, fühlt es sich ein klein bisschen illegal an, wenn man es nicht so richtig benennen kann und manchmal vielleicht auch irgendwie falsch. Daher bin ich sehr dankbar, dass ich den Begriff Portfolio Business irgendwann für mich gefunden habe, der mein kreatives Mosaik aus meinen verschiedenen Standbeinen perfekt beschreibt.

Wichtig ist mir die Abgrenzung: Ein Portfolio-Business ist kein Nebenjob aus Not und kein Zeichen, dass du dich nicht entscheiden kannst. Es ist eine bewusste Entscheidung für eine Selbständigkeit, die mehr als eine Seite von dir einbezieht.

Woran erkenne ich, dass das Modell zu mir passt?

Das Modell passt, wenn sich ein einzelnes Business schnell zu eng anfühlt und du den Wunsch nach mehreren Standbeinen nicht loswirst. Bei mir hat er sich über zehn Jahre Selbständigkeit gehalten, obwohl sich die Bereiche selbst mehrfach verändert haben. Das ist für mich der klarste Hinweis, dass es ein Modell ist und keine Phase.

Weitere Anzeichen:

  • Skills aus einem Bereich helfen dir im anderen.
  • Abwechslung treibt dich eher an, als dass sie dich erschöpft.
  • Du hast mehr Ideen, als in ein Angebot passen.

Was meiner Meinung nach am wichtigsten ist, ist die Frage: Was willst DU? Wir sind ständig von den Erwartungen anderer getrieben. Und das klassische Bild von Erfolg ist in unserer Gesellschaft eng an eine lineare Corporate Karriere gekoppelt. Das jahrelange Erklimmen der Karriereleiter, bestenfalls in einem Unternehmen bis man irgendwann ganz oben ist. Was auch immer „ganz oben“ heißt. Für mich klingt das aber nicht nach der großen Erfüllung, sondern ziemlich beengend oder wie Frank Dommenz es formuliert hat: „Ein Hamsterrad sieht von innen auch aus wie eine Karriereleiter“. Also schau mal drauf, wie du Erfolg für dich definierst, und möglicherweise ist ein Portfolio Business ja auch deine Antwort darauf.

Wie hängen die Standbeine zusammen?

Meine Standbeine hängen über einen roten Faden zusammen: Ich baue Strukturen, in denen Dinge in Bewegung kommen. Jedes Standbein hat dabei eine andere Rolle im Portfolio. Stand Q3/26 sieht es bei mir so aus:

StandbeinRolle im PortfolioStand heute
Projekt- und Eventmanagement für KMUDas FundamentFeste, wiederkehrende Kund:innen, läuft ohne Akquise und Marketing
Mentoring für Selbständige mit mehreren StandbeinenDer Bereich, in dem ich meine Vielfalt zeige und mit anderen Kreativen zusammenarbeiten kannMeine zone of genuis
Barre- und Pilates-InstructorDer Side QuestLäuft, nimmt nur einen kleinen Teil ein, ist gleichzeitig ein toller Ausgleich zur vielen PC Arbeit für mich
KinderbücherDas HerzensprojektBraucht aktuell die meiste Energie, bringt noch kein Geld, Ausgang offen

War mir dieser rote Faden immer klar? Nope. Wird es dir krass viel Klarheit bringen, wenn du ihn mal gefunden hast? Yes! Und oft wird dann auch klar, warum die verschiedenen Standbeine nebeneinander so gut funktionieren. Womit wir gleich bei der nächsten Frage wären:

Alles gleichzeitig starten oder nacheinander?

Ganz ehrlich es ist schwierig, alle Standbeine gleichzeitig zu starten, und deutlich einfacher, wenn einige schon Selbstläufer sind. Ich bin damals direkt mit mehreren Bereichen gestartet und weiß aus Erfahrung, wie viel Energie das kostet.

Heute läuft mein Projekt- und Eventmanagement für KMU ohne Akquise. Weil dieses Standbein trägt, habe ich Zeit und Muse, Neues anzuschieben wie die Kinderbücher oder den Pilates-Bereich. Die Kinderbücher brauchen gerade die meiste Energie, bringen noch nichts ein. Da das Fundament steht, ist das aber absolut fein und ich bleibe weiter dran.

Wenn du am Anfang stehst, heißt das nicht, dass du dich auf ein Standbein beschränken musst. Du kannst eines zum Selbstläufer machen und das nächste dazunehmen, sobald du wieder Luft hast. Mehr dazu findest du in meinem Beitrag Soll ich meine Ideen parallel oder nacheinander angehen?.

Was bleibt, wenn sich das Leben verändert?

Ein Portfolio-Business ist dann stark, wenn nicht alles an einem Angebot hängt. Das habe ich erlebt, als Schwangerschaft, Babypause und mein Sohn dazukamen, während die Welt in einer Pandemie steckte. War gar nicht mal so easy, besonders weil ich damals noch einen viel größeren Fokus auf Events und Hochzeiten hatte und vielleicht erinnerst du dich noch, wie die Vorgaben für Veranstaltungen sich 2020 und 2021 wöchentlich änderten. Yay! Doch am Ende war es nicht die Pandemie, die mich dazu gebracht hat, meine Wedding Brand zu schließen, sondern u.a. der Wunsch nach mehr freien Wochenenden mit meiner Familie. Dafür wurden zu dem Zeitpunkt die Mentorings immer stärker nachgefragt und so hatte ich mir ein weiteres Standbein bereits aufgebaut, als ich ein anderes beendete.

Wenn du mehr über die Zeit mit mini Baby und Portfolio Business erfahren magst, schau gerne mal in diesen Blogbeitrag: Baby & Business – Real Talk.

Die Bereiche meines Portfolios haben sich in zehn Jahren verändert, der Wunsch nach mehreren Standbeinen ist geblieben. Das Modell hat sich als flexibel genug erwiesen, um mit meinem Leben mitzuwachsen, statt dass mein Leben ins Modell passen muss. Und ich weiß nicht wie es dir geht, aber für mich entspricht das deutlich mehr meiner Definition von Erfolg aus irgendein ein fancy Titel in irgendeinem Konzern.

Welche Stolpersteine gibt es?

Die typischen Stolpersteine zeigen sich bei jeder Selbständigen mit mehreren Standbeinen etwas anders. Ich sehe vier Muster immer wieder, und die meisten erkennen sich in zwei oder drei davon:

  • Der Plate Spinner hält mehr Bälle in der Luft als die meisten Menschen anfassen würden. Für jeden einzelnen bleiben oft nur Babysteps.
  • Der Fire Starter startet sofort und mit Begeisterung. Dann kommt die nächste Idee, manchmal bei 90 % Fortschritt, und der Faden zur ersten geht verloren.
  • Der Idea Collector hat so viele gute Ideen, dass die Entscheidung schwerfällt. Die Angst, sich für die falsche zu entscheiden, blockiert am Ende alle.
  • Der Vision Boarder denkt in großen Bildern. Die Idee ist so groß, dass die erste Stufe fehlt.

Das sind keine Schwächen, sondern die Kehrseite echter Stärken. Du erkennst dich wieder und fragst dich, welches Muster gerade bei dir am meisten Raum einnimmt? Dafür habe ich THE MULTICREATIVE CHECK gebaut, einen Check wie damals in der Bravo Girl.

Was leistet Struktur dabei?

Struktur ist bei mehreren Standbeinen kein nice to have, sondern die Basis. Sie sorgt dafür, dass du trotz vieler Ideen und Rollen weißt, was gerade dran ist und was warten darf.

Wie das in der Praxis aussehen kann, habe ich in zwei Beiträgen beschrieben: Das würde ich tun, wenn ich meine Struktur nochmal von Null aufbauen würde und Realistisch planen statt ständig hinterherhetzen.

Die Struktur muss zu deinem Portfolio passen und nicht umgekehrt.

Und wenn ich erst anfange?

Wenn du erst anfängst, brauchst du kein fertiges Portfolio, sondern einen ersten Schritt. Such dir das Standbein, das am ehesten ein Fundament werden kann, und gib ihm genug Raum, um ins Rollen zu kommen. Ein zweiter Bereich darf in der Zeit klein mitlaufen, als Experiment und ohne Anspruch.

Der Bauchladen-Zweifel gehört dazu. Wenn er laut wird, hilft vielleicht mein Beitrag Du bist nicht zu viel, du bist vielseitig, und beim Thema Perfektionismus „Gut genug“ ist besser als perfekt.

Fazit

Ein Portfolio-Business ist keine Notlösung, sondern ein Modell, das zu vielen Menschen passt, die sich im Bild einer klassischen linearen Corporate Karriere nicht wiedererkennen. Was es dafür braucht sind viele Ideen (aber die hast du ja eh) und eine Struktur, die für Vielfalt gebaut ist.

Wenn sich das gerade alles ziemlich nach dir anhört, dann schau mal in THE MULTICREATIVE CHECK Dort findest du heraus, welcher multicreative Type du bist, was dich gerade bei der Umsetzung deiner Projekte bremst und wie du ins Tun kommst, statt dich zwischen deinen Ideen und Rollen aufzureiben. Du beantwortest sieben Fragen, zählst Symbole und liest dein Ergebnis nach, wie damals in der Bravo Girl. Den Check gibt es für 0€ und er kommt per E-Mail zu dir. Und falls du dich in mehreren Typen wiederfindest: Das ist bei Multicreatives eher die Regel als die Ausnahme.

Schau also super gerne mal rein und hab ganz viel Spaß bei der Gestaltung deines eigenen Portfolio Business.